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Arbeits- und Gesundheitsschutz endlich auch für die Schulen und Schulkindergärten!

Bequemer Job oder Stressberuf?
Was macht Lehrerinnen und Lehrer krank?

Auf diese Frage reagiert das  Kultusministerium in Baden-Württemberg nur mit dem vagen Hinweis, dass der Lehrberuf wohl ein Verschleißberuf sei (siehe LDS 12/2730, S. 3).

Doch so einfach lässt sich das Problem nicht abhaken!

·         Warum gibt es bei Lehrer/innen die höchste Frühpensionierungsquote?

·         Welche Faktoren gefährden die Gesundheit von Lehrkräften?

·         Welche Rolle spielen die psychischen Belastungen?

Die GEW Baden-Württemberg hat bereits 1998 zusammen mit der Max-Träger-Stiftung den Arbeitswissenschaftler Prof. Dr. Bernd Rudow beauftragt ein Gutachten zum Thema "Gefährdungsbeurteilung der Arbeitstätigkeit und -plätze von Lehrerinnen und Lehrern“ zu erstellen. Diese Vorleistung hätte eigentlich der Arbeitsgeber erbringen müssen. Erst auf Grund des ständigen Drucks der GEW und der Personalräte wurde der Arbeits- und Gesundheitsschutz an den baden-württembergischen Schulen 2001 endlich in die Tat umgesetzt. 

Inzwischen wurde ein Rahmenkonzept zum Arbeits- und Gesundheitsschutz mit allen Hauptpersonalräten verhandelt und im April 2006 mit dem Hauptpersonalrat für Grund-, Haupt- Real- und Sonderschulen abgeschlossen. 

Außerdem startete im Oktober 2006 im Landkreis Ludwigsburg an 19 Schulen und Schulkindergarten ein Pretest zur Erprobung eines neuen Fragebogens und eines Verfahrensregelkreises. Ab 2008 ging die Erhebung der psychomentalen Gefährdungen in die Fläche.

Das Land Baden-Württemberg stellt in jedem Jahr Haushaltsmittel im Umfang von ca. 1,9 Mio. Euro für die Umsetzung des Arbeitsschutz- und Gesundheitsschutzes zur Verfügung.

Warum muss es in der Schule, wie in jedem anderen Betrieb einen wirksamen Arbeits- und Gesundheitsschutz geben?

     nur jede sechste Lehrkraft erreicht die vom Gesetzgeber vorgeschriebene Altersgrenze von 64 Jahren

     der Anteil der Frühpensionierungen im Lehrerbereich liegt überdurchschnittlich hoch (1997 waren 69,6% aller Frühpensionierten in Deutschland Lehrkräfte)

     das Durchschnittsalter der Lehrerinnen und Lehrer, die wegen Dienstunfähigkeit vorzeitig pensioniert werden liegt bei knapp 56 Jahren

Bisher wird über die Ursachen nur spekuliert. Dies ist für einen Betrieb mit über 110.000 Beschäftigten ein Skandal. Nur mit Hilfe von Gefährdungsbeurteilungen an jedem Arbeitsplatz können die Belastungen konkret ermittelt und danach Maßnahmen zu ihrer Beseitigung ergriffen werden.

Gutachten besagen, dass Lehrerinnen und Lehrer Mehrfachbelastungen ausgesetzt sind, deshalb ist in den zwei Hauptbereichen Folgendes zu erheben:

1.     
in Bezug auf den traditionellen Arbeitsschutz u.a.

-          gibt es schädliche Bausubstanzen im Schulhaus (PCB, Asbest, Schimmel, etc.)

-          wie steht es mit der Luftbeschaffenheit und der Beleuchtung

-          reicht die Klassenraumgröße

-          gibt es krankmachende Stäube, Dämpfe, etc. in den Werkstatt- bzw. Physik- und Chemieräumen

-          welche Lärmbelastung entsteht in Turn- und Schwimmhallen

-          welche körperlichen Belastungen treten auf, z.B. durch Heben und Tragen von behinderten Schülern, durch Sitzen auf kleinen Stühlen in Grund- und Sonderschulen, durch Tragen von Mediengeräten in die Klassenzimmer etc.  

2.      in Bezug auf Arbeitsaufgaben, Arbeitsorganisation und Arbeitsbedingungen u.a.

-          wie wirkt sich die Klassenzusammensetzung auf die Zusammenarbeit und das Arbeitsklima in der Klasse aus

-          an welchem Schultyp unterrichtet die Lehrkraft (kleine Grundschule, Brennpunkt-Hauptschule, Sonderschule etc.)

-          wie steht es mit der Teambereitschaft im Kollegium

-          wie werden Erwartungen der Eltern formuliert und von der Lehrkraft umgesetzt

-          gibt es ein kollegiales oder ein hierarchisches Arbeitsklima an der Schule

-          wie wirkt sich das „Lehrerbild der Öffentlichkeit“ auf die Motivation der Lehrkräfte aus  

Zusammenfassend lässt sich zum Arbeits- und Gesundheitsschutz an Schulen feststellen: Mit dem Arbeitsschutzgesetz als rechtliche Grundlage hat sich der Arbeitsschutz von der ursprünglichen Unfallverhütung über die Arbeitssicherheit und medizinische Gesundheitsvorsorge bis zur Gesundheitsförderung entwickelt. Neuartig ist der erweiterte Präventionsauftrag, der sich vor allem auf die Verhütung von arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren orientiert. Durch die Entwicklung zum ganzheitlichen Arbeitsschutz sind neue arbeitswissenschaftliche Herausforderungen und Chancen gegeben. Die bisherige Orientierung am klassischen Arbeitsschutz ist nicht mehr ausreichend. Dies gilt insbesondere für Berufe mit überwiegend psychosozialen Anforderungen und Belastungen, unter anderen für die Lehrerarbeit.  


Und abschließend ein kleines realistisches Horrorscenario

Stellen Sie sich vor, Sie betreten morgens Ihre Schule und Folgendes passiert:

die Tür öffnet sich schwer, kaum schaffen Sie es, sich mit Ihrer dicken Schultasche und dem Waschkorb mit Unterrichtsmaterialien hineinzuzwängen

Sie betreten Ihr Klassenzimmer und schlagartig fängt das Hämmern in Ihrem Kopf wieder an. Oh, schon wieder Kopfweh, wie jeden Morgen und wie bei der Kollegin nebenan. Ob in diesem Bau aus den 70ger Jahren nicht doch irgendwelche Schadstoffe vorhanden sind?

Es klingelt. Unterrichtsbeginn. Der Tafelanschrieb muss noch schnell fertig werden.

30 Schüler und Schülerinnen stürzen mit lautem Geschrei in das viel zu kleine Klassenzimmer.

Es ist Montagmorgen. Das Wochenende mit viel Fernsehen und Computerspielen wirkt bei den SchülerInnen nach. Manche wirken verschlafen, andere total aufgedreht und aggressiv.

Gut, dass Sie erst letzte Woche die Fortbildung „Unterricht neu denken“ besucht haben. Für heute morgen haben Sie eine offene Unterrichtsform gewählt, so haben Sie die Möglichkeit sich flexibel auf die heterogene Gruppe einzustellen.

Die selbst erstellen Unterrichtsmaterialien kommen bei der Klasse gut an.

Auch das neue Lernprogramm am PC findet großen Anklang. Das hat Sie in den letzten Tagen viel Zeit gekosten, und immer blicken Sie noch nicht voll durch.

Es klingelt, Pause. Im Lehrerzimmer liegt ein Zeitungsausschnitt: „Alle Lehrer sind faule Hunde“. Nur gut dass Sie eine Lehrerin sind, da können Sie ja nicht gemeint sein.

Der Schulleiter teilt Ihnen mit: eine Kollegin ist erkrankt. Die Hohlstunde, in der Sie eigentlich noch etwas für den Unterricht vorbereiten wollten, fällt der Vertretungsstunde zum Opfer.

Im Lehrerzimmer ist eine blöde Stimmung: alle rätseln, wer denn wohl die Leistungsstufe bekommen hat.

Dann geht auch noch das Telefon: eine Mutter beschwert sich, dass die Tochter in Ihrem Unterricht nicht genug lernt. Auch Ihr offener Erziehungsstil wird angegriffen.

Nach dem Telefonat muss eine Kollegin noch schnell mit Ihnen über einen gemeinsamen Schüler reden.

Es klingelt, die Pause ist zu Ende, eigentlich müssen Sie seit 1 Stunde auf die Toilette. Jetzt aber schnell.

Den Overheadprojektor geschnappt und hoch geht’s in den zweiten Stock.

Am Nachmittag noch Schwimmunterricht. Der Lärm und die Wärme in der Schwimmhalle macht Ihnen schwer zu schaffen.

Endlich nach 8 Unterrichtsstunden Schulschluss.

Zu Hause muss noch die Vorbereitung für den nächsten Tag erledigt werden.

Am Abend treffen Sie sich zum Essen mit einer Kollegin aus der Sonderschule. Gemeinsam wollen sie ein „Kooperationsprojekt“ durchführen. Intensive Absprachen sind notwendig.  

Detaillierte Infos zu diesem Thema gibt es auf den internen GEW-Seiten.

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